Jahresberichte

Jahresbericht 2008

 

 

In Kürze stellen wir Ihnen den Jahresbericht 2009 auf dieser Seite zur Verfügung. Schauen Sie wieder vorbei.

 

 

Jahresbericht 2008

Inhalt

Vorwort des Landesrates

Vorwort der Obfrau

Vorstand und MitarbeiterInnen

Der Kinderschutz Tirol

Ausgewählte Daten im Überblick 2008

Tätigkeiten des „Kinderschutz Tirol“

Kunstprojekt Narben

Therapeutische Spielgruppe

Jahresprojekt 2008

Stellungnahme des Vereins „Kinderschutz Tirol“ zur Arbeitsgruppe „Behördlicher Kinderschutz“

Bericht der Außenstelle Imst

Pilotprojekt Schulsozialarbeit

Fördergeber

Spender und Sponsoren

 

 

Grußwort LR Gerhard Reheis

 

Zum Geleit!

Gewalt gegen Kinder ist ein Thema, an dem kein sozial verantwortlicher Mensch vorbeisehen kann. Leider sprechen alle Fakten dafür, dass das Problem nicht kleiner wird, sondern vielmehr Kinder in wachsendem Ausmaß Opfer von Gewalt – in verschiedensten Ausprägungen – werden. Um so wichtiger sind heute kompetente und gut zugängliche Einrichtungen, die sich dem Schutz und der Betreuung betroffener Kinder widmen.

In unserem Bundesland spielt der „Kinderschutz Tirol“ eine große Rolle. Der Verein blickt auf ein arbeitsintensives Jahr 2008 zurück. Die Zahlen sprechen für sich: Im vergangenen Jahr wurden 693 KlientInnen in insgesamt 3.549 Beratungs- und Psychotherapiestunden betreut. Gegenüber dem Vorjahr 2007 bedeutet das eine Steigerung um mehr als 23 %. 174 Kinder und Jugendliche wurden im Kinderschutzzentrum betreut. Gewalt gegen Kinder äußert sich auf vielfältige Weise, das spiegelt auch die aktuelle Statistik wider: 1.929 Beratungen betrafen sexuelle Gewalt gegen Kinder bzw. den Verdacht auf sexuelle Gewalt gegen Kinder. 514 Beratungen erfolgten bei physischer Gewalt, 144 bei psychischer Gewalt, 112 bei psychischen Problemen. Darüber hinaus ist auch das Thema „Scheidung“ immer relevant: rund 60 Beratungen betrafen allein diesen Bereich.

Was auch immer einem Kind im konkreten Einzelfall widerfährt: Jede Erfahrung gewaltsamer Übergriffe wirkt sich äußerst negativ auf die Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit aus, sowohl in körperlicher als auch in seelischer Hinsicht. Deshalb ist es so wichtig, dass die Einrichtungen zum Kinderschutz ihre Arbeit auf alle Formen der Gewaltausübung beziehen- sexuelle, körperliche und psychische Gewalt an Kindern im familiären, aber auch außerfamiliären Bereich. Vor diesem Hintergrund möchte ich auch auf die Bedeutung der Schulsozialarbeit v.a. in präventiver Hinsicht hinweisen! Erste Pilotprojekte haben sich bereits bewährt, ein entsprechender Ausbau erscheint daher erstrebenswert.

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für ihren engagierten Einsatz zum Wohle der ihnen anvertrauten KlientInnen und wünsche dem Kinderschutzzentrum für die weitere Zukunft alles Gute!

Gerhard Reheis Soziallandesrat

 

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VORWORT MAG.a SILVIA RASS-SCHELL

Als Obfrau des Vereins Tiroler Kinderschutz habe ich mich während des stürmischen Geschäftsjahres 2008 gemeinsam mit den noch verbliebenen MitarbeiterInnen bemüht, den Fortbestand dieser so wichtigen Einrichtung für Kinder und Jugendliche zu sichern und die Gründung der Tiroler Kinderschutz GmbH initiiert. Die Schaffung einer gemeinnützigen Tiroler Kinderschutz GmbH war deshalb erforderlich, weil eine Identität zwischen Fördergeber und –nehmer rechtlich nicht vertretbar ist.

Nunmehr kann mit Jahresende ein erfolgreicher Abschluss erstellt werden, und ich nehme den Jahreswechsel zum Anlass, mich aus meiner Funktion zu verabschieden.

Mit meinem Abschied als Obfrau aus dem Verein Tiroler Kinderschutz schwingt sowohl ein fröhliches als auch ein wehmütiges Gefühl mit. Einerseits weiß ich um die rechtliche Notwendigkeit, bin auch erleichtert über ein „Mehr“ an Zeit für meine beruflichen Pflichten und Verantwortungsbereiche. Andererseits habe ich in den Jahren der Zusammenarbeit hoch engagierte, fachlich überaus kompetente MitarbeiterInnen kennen gelernt, die ihre Arbeit für Kinder und Jugendliche mit Parteilichkeit und Ausdauer auf höchstem Niveau leisten. Ihnen gelten mein Dank und meine Anerkennung!

Gerade dieses Jahr war für mich und für viele andere, die in diesem Bereich arbeiten, ein Jahr harter Prüfungen und erschreckender Ereignisse.

Umso intensiver muss bei sexuellem Missbrauch und Gewalt an Kindern und Jugendlichen das Augenmerk auf die Kinder und ihre Bedürfnisse gerichtet werden. Gleichzeitig gewinnt die Einrichtung des Kinderschutzzentrums in Tirol an Bedeutung.

Die hier geleistete ExpertInnenarbeit ist maßgeblich für eine Kultur, in der Kinder Rechte haben und als gleichberechtigte Individuen behandelt werden.

Ich möchte mich daher für die engagierte und fachkompetente Arbeit der MitarbeiterInnen des Vereins Tiroler Kinderschutz im Jahr 2008 sehr herzlich bedanken und Ihnen für die weitere Zukunft als Tiroler Kinderschutz GmbH viel Erfolg und gutes Gelingen wünschen!

Ich werde dazu als Leiterin der Abteilung Jugendwohlfahrt des Landes Tirol die Tiroler Kinderschutz GmbH nach Kräften unterstützen.

Ihre Obfrau Maga. Silvia Rass-Schell

 

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Vorstand und MitarbeiterInnen 2008


Träger  

Verein „Kinderschutz Tirol“
Wilhelm-Greil-Strasse 25, 6020 Innsbruck

Einrichtungen
Kinderschutzzentrum Innsbruck
Schöpfstrasse 19, 6020 Innsbruck

Kinderschutz Imst
Dr. Pfeiffenberger-Strasse 14, 6460 Imst

Kinderschutz Wörgl
Bahnhofstrasse 53, 6300 Wörgl

Kinderschutzzentrum Lienz
Amlacherstraße 2, 9900 Lienz

 

Vorstand

Obfrau: Magª. Silvia Rass-Schell

Obmann StellvertreterIn:
Dr. Edwin Klien (bis 10.09.2008)
Dr. Waltraud Fuchs-Mair

SchriftführerIn: Magª. Martina Marksteiner

StellvertreterIn: Maga. Gertrud Steixner

KassierIn: Peter Sieberer

KassierIn-StellvertreterIn: Maga. Barbara Gassner

DSA Erwin Krismer

 

Geschäftsführung
Magª. Ulrike Nachtschatt 21.01.2008 -31.08.2008)

 

Administration
Magª. Elke Luwitsch

 

Sekretariat
Patricia Winkler

 

Fachliche MitarbeiterInnen


Innsbruck

Maga. Monika Frenes (bis 31.08.2008)
Psychologin, Psychotherapeutin (Systemische Familientherapie)

Maga. Martina Schönegger-Klingseis
Pädagogin, Mediatorin, Psychotherapeutin (Psychodrama)

DSA Gertraud Walder (Karenz)
Sozialarbeiterin, Psychotherapeutin i.A.u.S. (Psychodrama)

Werner Höllrigl (bis 31.07.2008)
Ergotherapeut, Psychotherapeut

Magª. Barbara Koch
Pädagogin, Sozialarbeiterin, Psychotherapeutin i.A.u.S.
(Psychoanalyse)

Magª. Cornelia Veith
Klinische Psychologin, Psychotherapeutin i.A.

Mag. Gotthard Bertsch (seit 15.10.2008)
Pädagoge, Psychotherapeut i.A.u.S. (Existenzanalyse)
Wörgl

Maga. Anne Lintner
Pädagogin, Psychotherapeutin (Psychodrama), Kinder- und
Jugendpsychotherapeutin i.A.

Renate Ascher
Psychotherapeutin (Klientenzentrierte Psychotherapie)

 

Imst

Maga. Verena Heiß (Karenz)
Pädagogin, Psychotherapeutin (Existenzanalyse)

Maga. Julia Millonig
Pädagogin, Psychotherapeutin (Existenzanalyse)

Magª. Ines Hadwiger
Pädagogin, Psychotherapeutin (Klientenzentrierte Psychotherapie)

DSA Werner Schlatter (bis 31.12.2008), Sozialarbeiter

 

Lienz

Maga. Sonja Leiter
Pädagogin, Psychotherapeutin (Psychodrama)

MMaga. Martina Gsaller
Klinische- und Gesundheitspsychologin
Dipl. Pädagogin
Coach

DSA Johann Schantl, Sozialarbeiter


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DER KINDERSCHUTZ TIROL


Die Einrichtungen des Kinderschutzes in Tirol sind Anlaufstellen
für die Problembereiche sexuelle Gewalt gegen Kinder und
Jugendliche, Kindesmisshandlung, psychische Gewalt sowie
Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen. Unser Angebot
richtet sich an betroffene Kinder, Jugendliche und deren Familien,
einschließlich der Personen, von denen Gewalt ausgeht, sowie an
alle, die in ihrer beruflichen Arbeit oder privat mit diesem Problem
konfrontiert werden.

Unsere erste Frage nach der Kontaktaufnahme ist die des
Kinderschutzes. Kinderschutz erfordert, die Probleme aus der
Position der Kinder und Jugendlichen zu sehen und ihre
Abhängigkeitssituation innerhalb der Familie mit zu bedenken.
Ausgehend vom betroffenen Kind erarbeiten wir Hilfsmaßnahmen,
die einen Ausstieg aus der Gewaltsituation ermöglichen und das
Kind vor weiteren Gewalterfahrungen schützen. Hierfür beziehen
wir die Kontaktperson, verantwortliche Bezugspersonen des
Kindes und andere soziale Institutionen mit ein.

Beratung und Psychotherapie: Betroffene Kinder und
Jugendliche haben die Möglichkeit, im Rahmen unseres
psychotherapeutischen Angebots, ihre Gewalterfahrungen zu
verarbeiten. In begleitenden Eltern- und Familiengesprächen
erarbeiten wir gemeinsam förderliche Bedingungen für die weitere
Entwicklung der Kinder und Jugendlichen.

In Helferkonferenzen und bei Vernetzungstreffen werden mit
anderen sozialen Einrichtungen und Professionellen, sowohl
fallspezifisch als auch konzeptuell, Hilfepläne für von Gewalt
betroffene Kinder und Jugendliche erarbeitet.

Prozessbegleitung: Als ProzessbegleiterInnen unterstützen wir
Kinder, Jugendliche und deren Bezugspersonen bei polizeilichen
Anzeigen und während des Strafverfahrens. In Zusammenarbeit
mit RechtsanwältInnen wird zusätzlich die juristische Vertretung
der betroffenen Kinder und Jugendlichen bei Gericht ermöglicht.

Da Gewalt gegen Kinder im Kontext psychischer, sozialer,
ökonomischer und gesellschaftlicher Zusammenhänge stattfindet,
sehen wir über die Einzelfallarbeit hinaus die
Auseinandersetzung mit den Bedingungen von Gewalt, den
Möglichkeiten ihrer Behandlung und Prävention als wichtige
Bereiche der Kinderschutzarbeit.

Fortbildungsangebote und Öffentlichkeitsarbeit sollen
Aufklärung zur Gewaltthematik, ihren gesellschaftlichen Rahmenbedingungen
und Reflexion über Beziehungsgestaltungen
ermöglichen. MitarbeiterInnen anderer Einrichtungen des Sozialoder
Lehrbereiches können mit uns fallbezogene Beratungsgespräche
vereinbaren.

 

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2008 – Ausgewählte Daten im Überblick

(von Mag.a Elke Luwitsch)

 

Anzahl der KlientInnen und Beratungen/Psychotherapien

Die folgenden Zahlen beziehen sich auf die Kinderschutzeinricht-ungen in Tirol, mit den Standorten Innsbruck, Wörgl, Imst und Lienz.

2008 suchten 693 Personen Hilfe und Unterstützung bei den Einrichtungen des Kinderschutzes. Zum Jahr 2007 bedeutet das eine Steigerung um 23,30 %. Davon waren 174 Kinder oder Jugendliche.

Beratungs- oder Psychotherapiestunden wurden 3.549 geleistet. Der Großteil dieser Stunden sind Beratungen oder Psychotherapien mit von Gewalt betroffenen Kinder oder Jugendlichen, die über längere Zeiträume regelmäßig in die Beratungsstellen kommen.

Gewalt gegen Kinder im familiären Kontext erfordert intensive Beratungstätigkeiten mit den Betroffenen und ihrem familiären und sozialen Umfeld. Zusätzlich wird mit dem Helfersystem in regelmäßigen Helferkonferenzen kooperiert. Nur so kann auch längerfristig Schutz und Hilfe für die von Gewalt betroffenen Kinder und Jugendlichen und Unterstützung der Eltern/Erziehungsberechtigten gewährleistet werden. Dazu gehört auch die Arbeit mit der Gewalt ausübenden Person innerhalb einer Familie.
 

Anzahl der KlientInnen:              693

Beratungen/Psychotherapien: 3.549

 

Demographische Verteilung der Kinder und Jugendlichen

Von den insgesamt 174 Kindern oder Jugendlichen, die im Kinderschutzzentrum in Innsbruck, im Kinderschutz Imst, Wörgl und
Lienz zu Beratungen und Psychotherapien kamen oder Prozessbegleitung in Anspruch nahmen, waren 116 weiblich und 58 männlich. Prozentuell ergibt dies eine Verteilung von 67 % Mädchen und 33 % Burschen. Diese Verteilung der Geschlechter entspricht in etwa auch der Verteilung bei den Erwachsenen.

Im Alter zwischen 7 und 14 Jahren kamen die meisten Buben zu uns, in dieser Altersgruppe sind 41,35 % männlich. 2007 waren es 33 %, das heißt, dass in dieser Altersgruppe ein relativ starker Anstieg zu
verzeichnen ist. Bei den bis zu 6-jährigen kamen 68 % Mädchen und 32% Buben, in der Altersgruppe der 15 bis 19-jährigen wurden 2008 fünf männliche Jugendliche betreut.

 

Demographische Verteilung der Kinder und Jugendlichen
demografische Verteilung jb 2008

 

Beratungsinhalte

Unser Hauptthema ist die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendliche, einschließlich des Verdachtes auf sexuelle Gewalt. Die Anzahl der Beratungen mit Inhalt „physische Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ ist im Jahr 2008 um 340 Beratungen von 174 auf 514 angestiegen.

Beratungsinhalt
Anzahl Beratungen

Sexuelle Gewalt gegen Kinder/
Verdacht auf sexuelle Gewalt gegen Kinder

1.929

Physische Gewalt gegen Kinder

514

Psychische Gewalt gegen Kinder

144

Psychische Probleme

112

Probleme im Familiensystem/Scheidung/Trennung

60

Psychosomatische Symptome

16

Täterarbeit

20

 

Erläuternd sei erwähnt, dass jeweils nur das Hauptthema, mit dem Kinder/Jugendliche zu uns in die Beratung kommen, in der Statistik abgebildet wird. Meist sind Kinder von mehreren Gewaltformen betroffen. Sexuelle Gewalt hat auch immer etwas mit Zwang und psychischer Gewalt im Sinne eines Machtmissbrauchs zu tun.

 

 

Wer stellt den Kontakt zum Kinderschutz her?

Wichtig für uns ist, wie KlientInnen zu uns kommen. Mit „KlientInnen selbst“ und „Erziehungsberechtigte“ ist gemeint, dass sich Eltern und Familien, manchmal Jugendliche, von sich aus bei uns melden. Die KlientInnen, die aus eigener Initiative ins Kinderschutzzentrum kamen, kannten die Einrichtung aus Medienberichten, unserer Öffentlichkeitsarbeit oder erfuhren von uns über Bekannte und FreundInnen.

Im Detail sieht die Verteilung 2008 so aus:

Statistik kontaktaufnhame jb 2008

 

Kontakt durch die Familie/KlientIn selbst und durch das private Umfeld Anzahl   Kontakt durch Professionelle
Anzahl

KlientInnen selbst

96

 

sonstige Professionelle

103

Erziehungsberechtigte

156

 

BH / Jugendwohlfahrt

137

NachbarInnen

3

 

Stationäre Einrichtungen

57

Verwandte

13

 

ÄrztInnen

8

 

 

 

Schule

14

 

 

 

Klinik/Krankenhaus

3

Summe

268

 

Schulpsychologie

1

 

 

 

Kindergarten

12

 

 

 

Gericht

1

Ohne Angaben– Summe

89

 

Summe

336

Gesamtsumme

693

 

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Tätigkeiten 2008 der Kinderschutzzentren Innsbruck, Imst, Wörgl und Lienz

(von Mag.a Martina Schönegger-Klingseis)

 

I.Beratungen/Psychotherapien (siehe Statistik)

II. Jahresprojekte:

1. Therapeutische Spielgruppe für Kinder von 6-10 Jahren
   (Jahresgruppe Innsbruck)

2. Gewaltpräventionsprojekte:
• Übungsvolksschule Innsbruck
• VS St. Nikolaus, Innsbruck

3. weitere Präventionsprojekte:
• Werkteam Beta, Wörgl
• VS Kössen, Wörgl

 

III. Überregionale Projekte:

• Teilnahme am ExpertInnentreffen Prozessbegleitung
• Teilnahme am Fachaustausch aller Kinderschutzzentren Österreichs
• Teilnahme am Projekt Plattform gegen Gewalt (Regionalprojekt und    Querschnittsprojekt)
• Teilnahme am österreichweiten Treffen aller Familienberatungsstellen

 

IV. Projekte in Tirol:

• In Zusammenarbeit mit KIWANIS Club Amica:
   Adventveranstaltung SEIDEMANN
• Veranstaltungsabend: Kindern eine Brücke bauen
• Kunstprojekt: Narben (in Zusammenarbeit mit Franz Wassermann)
• Teilnahme am Landesprojekt „Häusliche Gewalt“ für
   KindergartenpädagogInnen in St. Johann, Wörgl

 

V. Arbeitskreise:

• AG: Jugendwohlfahrt im SPAK
• AG: Häusliche Gewalt
• Medienarbeitskreis: Sexualisierte Gewalt
• ARGE: Sexueller Missbrauch
• Gewalt in der Familie: Schulungen der Polizei im Opferschutzbereich

 

VI. Öffentlichkeitsarbeit:

• Informationsveranstaltung für LogopädInnen, Innsbruck
• Informationsveranstaltung KIWANIS Club, Innsbruck
   Kinderschutz Tirol 17 08
• Informationsveranstaltung PÄDAK, Innsbruck
• Informationsveranstaltung Kinder- und Jugendpsychiatrie, Innsbruck
• Informationsveranstaltung Zentrum für Ehe und Familienfragen,
Innsbruck
• Informationsveranstaltung für den Gehobenen Dienst für
Gesundheits- und Krankenpflege, Innsbruck
• Informationsveranstaltung für MCI StudentInnen, Innsbruck
• Informationsveranstaltung Kettenbrücken Gymnasium, Innsbruck
• Informationsveranstaltung in Zusammenarbeit mit den
KinderärztInnen im BKH Lienz
• Informationsveranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Verein
EULE, Lienz
• Informationsveranstaltung beim Roten Kreuz, Schwaz

 

VII. Vernetzungen:

• Schulpsychologie, Innsbruck, Lienz, Imst
• Gericht, Innsbruck, Imst, Wörgl
• Treffen der Sozialvereine, Wörgl
• SOS-Kinderdorf, Imst
• Haus Terra (Caritas), Imst
• Jugendwohlfahrten, Imst, Innsbruck, Wörgl, Lienz
• Oberländer Frauenberatung/Verein Frauen gegen Vergewaltigung, Imst, Innsbruck
• PsychotherapeutInnen in freier Praxis, Imst, Innsbruck, Lienz,
Wörgl
• VS Arzl, Innsbruck
• VS Arzl im Pitztal, Imst
• Kindergarten Zams, Imst
• VS Reutte, Imst
• VS Unterstadt, Imst
• Haushaltungsschule, Imst
• Männerberatung, Imst, Innsbruck
• KIZ, Innsbruck, Imst
• Frühförderung der Lebenshilfe, Imst

 

VIII. Österreichweite Fortbildung:

Spieltherapie mit traumatisierten Kindern:
Referentin: Dorothea Weinberg


IX. Medienarbeit:

Diverse Zeitungsartikel sind in Lienz, Imst, Innsbruck in Lokalzeitungen erschienen.
Pressebericht jb 2008

Stadtzeitung Imst, Ausgabe 2, 31.Juli 2008

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Kunstprojekt NARBEN

(von Mag.a Martina Schönegger-Klingseis)

 

Ausgangspunkt für das Kunstprojekt NARBEN war der jährlich stattfindende Aktionstag der österreichischen Kinderschutzzentren. Ziel der bundesweiten Aktion ist es, die Bevölkerung darauf aufmerksam zu machen, dass Gewalt gegen Kinder und Jugendliche in unterschiedlichen Formen noch immer alltäglich ist. Aus diesem Grunde ist es uns wichtig, durch Aktionen die Öffentlichkeit dahingehend zu sensibilisieren, Signale und Hinweise von Kindern und Jugendlichen, die Gewalt erleben oder erlebt haben, zu erkennen und in Folge entsprechende Maßnahmen zu setzen.

Für das Jahr 2008 hat die Vorbereitungsgruppe des Kinderschutzzentrums mit dem Aktionskünstler Franz Wassermann Kontakt aufgenommen und sich zu einer Kooperation mit ihm entschlossen.

Dabei haben sich folgende Gemeinsamkeiten zwischen künstlerischer und fachlicher Kompetenz ergeben:

• Franz Wassermann macht in seinen Projekten auf Missstände in der Gesellschaft aufmerksam. Gewalt ist ein solcher Misstand, der mitten unter uns stattfindet. Die Kinderschutzzentren Innsbruck, Imst, Wörgl und Lienz sind Kompetenzzentren im Bereich familiärer Gewaltprobleme. Neben der konkreten Fallarbeit treten die MitarbeiterInnen auch auf gesellschaftlicher Ebene gegen Gewalt auf.

• Der Künstler bindet in seinen Projekten die Bevölkerung mit ein. Die Kinderschutzzentren sensibilisieren in ihrer Öffentlichkeitsarbeit die Menschen zum Thema Gewalt und mobilisieren gegen das Wegschauen.

• Die Kinderschutzzentren und Franz Wassermann verfolgen das Ziel, das Thema Gewalt zu enttabuisieren.

Das Kunstprojekt wurde genützt, um die Unterstützungsangebote für Kinder und Jugendliche und deren Bezugspersonen, die das Kinderschutzzentrum anbietet, einem breiten Kreis der Bevölkerung bekannt zu machen. Weiters wurden thematische Einschulungen für das künstlerische Team durchgeführt, um den sensiblen Umgang mit der Thematik aller Beteiligten zu gewährleisten. Weitere Einrichtungen, die sich an dem Projekt NARBEN beteiligt hatten, waren: Gewaltschutzzentrum Tirol, Kriseninterventionszentrum für Kinder und Jugendliche (KIZ), Verein Frauen gegen Vergewaltigung, Tiroler Frauenhaus Das Projekt war ein gegenseitiger Prozess: die künstlerische und die fachliche Kompetenz haben sich dabei abgewechselt und ergänzt.

 

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Therapeutische Spielgruppen im Kinderschutzzentrum Innsbruck

(von Mag.a Martina Schönegger-Klingseis)

 

Im Herbst 2006 fand die erste therapeutische Spielgruppe im
Kinderschutzzentrum Innsbruck statt. Zielgruppe waren Kinder
zwischen 6 und 10 Jahren mit Gewalterfahrungen. In einer Gruppe
Gleichaltriger sollten kreativ umgesetzte therapeutische
Interventionen zu einer besseren Situationsbewältigung beitragen.

Als Pilotprojekt wurde diese Gruppe von Dr. Walter Gressenberger,
Mag.a Martina Schönegger-Klingseis und DAS Gertraud
Walder geleitet. Bereits während der Durchführung erwies sich
dieses Angebot als sehr sinnvoll. Deshalb wurde es von Mag.a
Schönegger-Klingseis und DSA Walder nach Abschluss eines
ersten Durchlaufs weitergeführt.

Bis Ende 2008 fanden insgesamt fünf therapeutische Spielgruppen
statt, die Nachfrage war doppelt so hoch.

Die Durchführung dieser therapeutischen Spielgruppen gestaltete
sich aufgrund der vorhandenen personellen Ausstattung im
Kinderschutzzentrum zunehmend schwieriger. Trotz großer
Bemühungen konnten die für eine Weiterführung dieses
Angebotes notwendig gewordenen Rahmenbedingungen
(Ressourcenaufstockung) nicht hergestellt werden. Aus diesem
Grund wurde das Angebot vorerst nicht verlängert.


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Jahresprojekt 2008 Gewaltprävention an Volksschulen

(von Mag.a Martina Schönegger-Klingseis)

Im Schuljahr 2007/2008 wurde an zwei Innsbrucker Volkschulen - jeweils in den 2. Klassen - das Präventionspaket des Innsbrucker Kinderschutzzentrums angeboten.

Wesentliche Ziele der Präventionsarbeit des Kinderschutzzentrums sind:
• Stärkung des Selbstbewusstseins
• Mädchen und Jungen in der Wahrnehmung ihrer Empfindungen und Fähigkeiten stärken
• Gefühle wahrnehmen und ausdrücken
• Gefühlsäußerungen zu respektieren lernen und ernst zu nehmen
• Mädchen und Jungen dabei unterstützen, Grenzen zu setzen, Entscheidungen zu treffen und Nein zu sagen
• Abbau unkritischer Autoritätsgläubigkeit
• Ermutigung, über Probleme zu sprechen und wenn nötig, Hilfe zu holen

Das Angebot setzt auf mehreren Ebenen an:
• Kooperation mit DirektorInnen und LehrerInnen
• Projektvorstellung beim Elternabend
• Arbeit in der Klasse

 

Ablauf des Jahresprojekts:

Im Herbst 2007 erfolgte an beiden Schulen eine ausführliche Vorbesprechung mit den beiden Lehrerinnen und den Direktorinnen der jeweiligen Schulen, in der das Präventionsprojekt vorgestellt und relevante Informationen zur Klassensituation gesammelt wurden. Anschließend fand ein Austausch darüber statt, welche Themenbereiche zur Gewaltprävention in der Klasse bereits behandelt worden waren.

Zudem boten die MitarbeiterInnen des Kinderschutzzentrums Innsbruck den Lehrerinnen ein weiteres Gespräch mit dem Focus an, eine Sensibilisierung für die Anliegen der Gewaltprävention zu erreichen. Bestimmte Themenblöcke wurden gemeinsam abgestimmt und vorab von den Lehrerinnen mit den SchülerInnen bereits bearbeitet.

Weiters standen die MitarbeiterInnen des Kinderschutzzentrums als Ansprechpersonen für Fragen der Lehrpersonen zur Verfügung und konnten Literaturempfehlungen und Anregungen für den Unterricht geben.

Im Jänner 2008 fand an beiden Volkschulen ein Elternabend statt. Dabei wurden zum einen über die Angebote des Kinderschutzzentrums und zum anderen über die Ziele und Inhalte der Präventionsarbeit in den Klassen informiert.

Die Arbeit in den Klassen erfolgte im März 2008 und umfasste zwei mal zwei Arbeitseinheiten im Abstand von einer Woche. Insgesamt standen vier MitarbeiterInnen des Kinderschutzzentrums für die Arbeit mit den SchülerInnen zur Verfügung, so dass mit der Burschen- bzw. Mädchengruppe getrennt gearbeitet werden konnte.

Die Themenblöcke für die Präventionsarbeit in den Klassen waren:
• Kinderrechte
• Gefühle
• Berührungen, Grenzen
• Geheimnisse
• Körperwissen
• Gewalt
• Hilfe holen

Die Themenbereiche wurden in beiden Gruppen bearbeitet, sie
wurden jedoch – unter geschlechtsspezifischen Aspekten – für
Mädchen und Burschen unterschiedlich aufbereitet.

Nach der Präventionsarbeit in den Schulklassen erfolgte ein
Abschlussgespräch mit den jeweiligen Lehrerinnen, bei dem es zu
einer differenzierten Rückmeldung aus der Arbeit mit den Klassen
kam. Weiters erhielten die Lehrerinnen Anregungen für die
Weiterarbeit an bestimmten Themenblöcken.

 

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Stellungnahme des Vereins
„Kinderschutz Tirol“ zur Arbeitsgruppe „Behördlicher Kinderschutz“

(von Mag.a Anne Lintner)

Zur Täterarbeit

Im Kinderschutzbereich sind je nach vorliegender Problematik unterschiedliche Vorgehensweisen angezeigt: Es wird zwischen sexuellem Missbrauch und körperlicher Gewalt unterschieden. Beim sexuellen Missbrauch ist es wichtig, innerfamiliären Missbrauch und außerfamiliären Missbrauch zu trennen.

Der Verein Kinderschutz Tirol möchte nun auf die besondere Problematik des innerfamiliären Missbrauches hinweisen: Sowohl die Beratung des „schützenden“ Elternteils, die Therapie des betroffenen Kindes, aber auch die Therapie des missbrauchenden Elternteils sollte idealerweise durch den Kinderschutz abgedeckt werden.

 

Begründung:

- Im innerfamiliären Kontext spielt die Beziehung zwischen Kind und Täter eine wesentliche Rolle. Die Kinder spüren die starke Bindung. Nicht zu vernachlässigen ist der Aspekt, dass der Verlust eines nahen Angehörigen zu weiterer Traumatisierung führen könnte. Der Schutz des Kindes hat oberste Priorität. Es hat sich aber gezeigt, dass die Tatsache, dass der missbrauchende Elternteil sein Problem bearbeitet, für das Kind wichtig und heilsam ist.

- Kinderschutzinterventionen, die ausschließlich am betroffenen Kind oder am nicht-missbrauchenden Elternteil ansetzen, vernachlässigen einen zentralen Aspekt von Kinderschutz: viele Täter sind Mehrfachtäter, d.h., sie missbrauchen gleichzeitig oder im Verlauf ihrer "Täterkarriere" mehrere Kinder. Erfolgreiche Täterarbeit ist somit praktizierter Kinderschutz. Angesichts der Tatsache, dass viele Täter schon als Jugendliche beginnen, Kinder zu missbrauchen, ist die Entwicklung von weiteren Behandlungskonzepten für jugendliche Täter von herausragender Bedeutung für den Kinderschutz.

Die Täterarbeit bei innerfamiliärem Missbrauch an andere Beratungsstellen zu vergeben ist derzeit deshalb schwierig, weil die Konzepte der Beratungseinrichtungen unterschiedlich sind.

Zukunftsmusik kann die Entwicklung eines neuen Gesamtkonzeptes betreffend die Zusammenarbeit zwischen Kinderschutz und einer Einrichtung außerhalb des Kinderschutzes sein, die Täterarbeit leistet. Erforderlich dazu ist eine gemeinsame Vorgehensweise betreffend Täterarbeit und Vernetzung.

 

Zur „schnellen“ Anzeige:

Der Verein Kinderschutz vertritt die Ansicht, dass eine Meldung an die Jugendwohlfahrt im Bereich des innerfamiliären sexuellen Missbrauches erfolgen muss, eine schnelle polizeiliche Anzeige in diesem Kontext jedoch kontraindiziert ist.

Begründung: Sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche unterliegen einem Geheimhaltungsdruck. Das zugrunde liegende Problem dabei ist die innerfamiliäre Bindung und die Geschlossenheit des Familiensystems nach außen. Die MitarbeiterInnen des Kinderschutzes sind darauf angewiesen, Signale beim Kind wahrzunehmen, die auf sexuellen Missbrauch hinweisen. Die unterschiedlichen sozialen Auffälligkeiten sowie psychischen und psychosomatischen Symptomatiken bei Kindern können im Zusammenhang mit einem Missbrauch stehen, müssen es aber nicht. Da es kein missbrauchs-spezifisches Symptom gibt, ist eine gewissenhafte Abklärung der vorhandenen Auffälligkeiten notwendig. Sexueller Missbrauch lässt sich beim Vorliegen körperlicher Symptome eher beweisen, wobei eindeutige körperliche Symptome nur in Ausnahmefällen zu finden sind. Im Verdachtsstadium ist es ein Hauptproblem der Helfer, Zugang zu relevanten Informationen zu finden. Die Täter leugnen in der Regel den Missbrauch, die Kinder zeigen häufig lediglich unspezifische Signale.

Die Intensivierung der Beziehung zum Kind und der Aufbau von tiefem Vertrauen ist ein zentrales Ziel in dieser Phase.

Vage Andeutungen und Informationen vom Kind müssen durch Fakten ergänzt werden und das braucht Zeit. Die Gefahr bei zu schneller Anzeige: es liegen zu wenig Beweise vor. Was die Arbeit im Kinderschutz zusätzlich erschwert, sind einerseits verzerrte und unklare Berichte von Kindern über den sexuellen Missbrauch z. B. als Folge der Traumatisierung. Andererseits können Kinder aufgrund der Loyalität zum Täter einen tatsächlichen Missbrauch auch verschweigen.

Das Ende des Aufdeckungsprozesses ist erreicht, wenn kommunizierbare Fakten vom Kind benannt wurden oder aber körperliche Schäden medizinisch nachweisbar sind.

 

Zur Vernetzung:

Die Vernetzung ist einer der wichtigsten Punkte in der Kinderschutzarbeit. Dafür braucht man Ressourcen und Zeit, denn „in Beziehung kommen“ ist nicht nur wichtig beim Verhältnis Helfer – Klient, sondern auch für die Arbeit der beiden wichtigen Systeme des Kinderschutz, dem Gesundheitswesen und der Jugendhilfe.

Vernetzungen
- stärken Helferkompetenzen, denn je komplexer und
emotional aufgeladener eine Familiensituation ist, umso
stärker ist der zuständige Helfer gefordert, den Überblick zu
behalten und fachlich, freundlich, konsequent und
rechtzeitig Hilfen zu leisten bzw. zu vermitteln.
- ermöglichen flexible, einzelfallorientierte Kooperationsentwicklung
bis hin zur Koordinierung aller am Fall
beteiligten Institutionen.
Hilfe für missbrauchte Kinder und Jugendliche muss daher in
Zusammenarbeit der Fachkräfte und Institutionen erfolgen. Die
Qualität der Hilfe für die Kinder und Jugendlichen wird
entscheidend beeinflusst von Faktoren, die bei den beteiligten
Helferinnen und Helfern sowie dem Hilfeprozess wirksam werden.

 

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Situationsbericht der Außenstelle Imst

(von Mag. Ines Hadwiger und Mag. Julia Millonig)

Der Kinderschutz Imst wurde im April 2002 als Außenstelle des Kinderschutzzentrums Innsbruck errichtet und betreut die Bezirke Imst, Landeck und Reutte. Derzeit arbeiten zwei Psychotherapeut-innen mit insgesamt 40 Wochenstunden in der Beratungsstelle zum Themenkreis sexuelle, psychische und körperliche Gewalt.

Das Jahr 2008 war vor allem durch stark zunehmende Fallarbeit, also Beratungen, Psychotherapie, Kriseninterventionen, HelferInnenkonferenzen, einzelfallbezogene Vernetzungen und Prozessbegleitungen, geprägt. Dies freute uns besonders, da die große Nachfrage ein markantes und eindeutiges Zeichen für die Notwendigkeit und die Verankerung der Beratungsstelle in den Bezirken Imst, Landeck und Reutte bedeutet. Innerhalb der Fallarbeit erlebten wir eine tragende und fruchtbare Zusammenarbeit mit den Jugendwohlfahrten der Bezirke, den stationären Kindereinrichtungen (Caritas, SOS-Kinderdorf), den Ärzten und anderen Beratungsstellen (bspw. der Oberländer Frauenberatung). Allerdings waren wir beinahe ausschließlich mit unseren KlientInnen beschäftigt und mit der Sicherung einer qualitativ wertvollen Betreuung, dass andere wesentliche Säulen der Kinderschutzarbeit nicht angemessen zum Tragen kamen. Zu diesen Säulen zählen Vernetzungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit, Präventionsarbeit, Projektarbeit und Forschung. Dies soll sich im kommenden Jahr ändern, indem wir Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit zum Themenschwerpunkt 2009 machen werden.

Nach sechs Jahren Kinderschutztätigkeit im Tiroler Oberland sind die Mindeststandards, die für österreichische Kinderschutzzentren gelten, aus budgetären Gründen noch nicht erreicht. Diese Standards sehen zum Beispiel vor, dass mindestens drei MitarbeiterInnen in der Beratungsstelle beschäftigt sind und dass zumindest drei getrennte Räume zur Verfügung stehen. Um trotz der steigenden Nachfrage ein qualitätvolles Angebot für die KlientInnen zu gewährleisten, bemühen wir uns weiterhin, diese Qualitätsstandards zu erreichen. Ein erster Schritt in diese Richtung war jener, neue Räumlichkeiten mit drei getrennten Räumen (Büro, Beratungsraum, Therapieraum) zu finden. Viel Aufwand, Zeit und Energie flossen in dieses Projekt und wir erlebten so manchen Rückschlag. Im Jahr 2009 wird der Kinderschutz Imst in ein neues Mietobjekt übersiedeln. Neue Räumlichkeiten sollen sowohl der Qualitätssicherung der Arbeit als auch der Psychohygiene der Mitarbeiterinnen und KlientInnen dienen. Der nächste große Schritt widmet sich der Anstellung eines männlichen Mitarbeiters und somit einer dritten Person. Ohne männlichen Mitarbeiter konnte die Außenstelle Imst bisher keine Täterarbeit leisten. Da diese bei innerfamiliärer sexueller Gewalt jedoch zum Aufgabenbereich des Kinderschutzes gehört, mussten unsere Kollegen in Innsbruck bislang diesen Bereich für uns abdecken. Besonders freuen wir uns, dass die Männerberatungsstelle Ende des Jahres ihre Pforten in Landeck geöffnet hat und wir so einen ersten fachlich einschlägigen Kooperationspartner gegen Gewalt im Tiroler Oberland gewonnen haben. Auch hört man von der Etablierung einer Außenstelle des Gewaltschutzzentrums in Landeck 2009. Auch dies würde uns in unserer Arbeit sehr unterstützen. Bis 2009 war der Kinderschutz die einzige Einrichtung im Tiroler Oberland, die sich speziell mit dem Thema Gewalt auseinandersetzte. Wir freuen uns auf erweiterte Spezialeinrichtungen, um das Thema Gewalt umfassend und differenziert auffangen zu können. Zuversichtlich blicken wir auf das kommende Jahr 2009!

 

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Pilotprojekt „Schulsozialarbeit“ in Imst

(von Mag.a(FH) Christina Steixner und Mag.(FH) Philipp Bechter)

 

I. Fakten:

Projektbeginn: 1.9.2008

Personal: SozialarbeiterInnen à 38h

Definition von Schulsozialarbeit laut Konzept: „ ... eine Hilfestellung der Jugendwohlfahrt, bei der SozialarbeiterInnen kontinuierlich an der Schule tätig sind. Schulsozialarbeit setzt sich zum Ziel, durch konkrete Angebote in der Prävention und in der Intervention eine Verbesserung der individuellen Lage einzelner SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern sowie des gesamten Schulklimas zu erreichen.“ (Steixner, Pichler & Margreiter: Konzept zum Pilotprojekt Schulsozialarbeit am Standort Imst, Innsbruck 2008)

Schulen: 5 Schulen, 3 Standorte, ca. 1000 SchülerInnen

Grundsätze/Motto: „offen – freiwillig – vertraulich“

Zielgruppe: SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern

Angebot: Beratungen und Hilfe in Krisensituationen, Soziale Gruppenarbeiten und Projekte im Bereich der Prävention

Qualitätsmanagement: Falldokumentation, Statistik, fachliche Anleitung, Supervision und Evaluation

Erfolgsrezept: Niederschwelligkeit, permanente Präsenz, geschlechtsspezifische Arbeit und Unabhängigkeit als freier Jugendwohlfahrtsträger

 

 

II. Zahlen:

142 Beratungen (von einzelnen oder in Gruppen)

 

Okt.08

Nov.08

Dez.08

Anzahl der Beratungen

36

68

52

 

- 136 SchülerInnen erreicht im Beratungskontext
- 19 soziale Gruppenarbeiten mit insgesamt 15 Klassen
- 1 Kinderrechteprojekt mit 3 Klassen
- 7 Klassen und HelferInnenkonferenzen
- 24 Elternberatungen mit 12 Elternteilen
- 1 Gefährdungsmeldung an die Juwo Imst
- 2 Langezeitbetreuungen (wöchentlich 1 Beratung)
- 1 Intensivbetreuung (8h für ein Mädchen)

 

 

III. Themen der Beratungen:

 

Okt.08

Nov.08

Dez.08

Persönliches:

 

 

 

Sexualität, Pubertät

2

1

1

Angstreaktionen

  1  

Essstörung

  3  

Selbstverletzendes Verhalten

1 3 3

aggressives Verhalten/Gewalt

2 15 12

Migrations/Integrationsprobleme

1 7  

Mobbing/ Hänseleien

2 3 9

Freundschaften- Streiterein

7 11 5

Probleme in der Liebesbeziehung

2 3 3

Alkoholmissbrauch

1   2

Drogenmissbrauch

  5 6

Delinquenz

  5 8

Sonstiges

  5 5

Suizidgefahr, Gedanken

  2 1

Sexuelle Belästigung, sex. Gewalt

  3 5

Tod/ Trauer

    3

Verstoß gg. Juschu

    3

Krankheit/ Gesundheit
Schwangerschaft
Musical

     

Gesamt

18 67 66

 

Familie:

     

Gewalt in der Familie

2 4 2

Trennung/Scheidung

1   1
Probleme/Streit mit Eltern/Stiefeltern 10 14 9

sexuelle Gewalt

     

Sorge um wen

1 6 5

Gesamt

14 24 17

 

Schule:

     

Verhaltensauffälligkeiten in der Schule

6 8 8

Schulische Probleme/Konsequenzen

1 2 5

Prolbeme in der Klasse

5 7 3

Probleme mit dem Lehrkörper

5 31 3

Angst vor schlechten Noten

  10 1

Gesamt

17 58 20

 

 

IV. Statements:

 

I.)

„Seit September 2008 findet in 5 Imster Schulen Sozialarbeit statt. Nach einer Start- und Orientierungsphase in der sich die Sozialarbeiter in den Klassen vorstellten und zu verschiedenen Themen Stunden gestalteten, hat sich die Schulsozialarbeit ausgezeichnet in das schulische Leben eingefügt. Es hat mich überrascht wie schnell und mit welcher Selbstverständlichkeit diese Einrichtung von Seiten der Schülerinnen angenommen wurde. Dies ist sicher ein Verdienst der professionellen Arbeit der beiden Sozialarbeiter Christina Steixner und Philipp Bechter Es gibt keinerlei Berührungsängste von Seiten der SchülerInnen und LehrerInnen und die Beratungen werden häufig in Anspruch genommen, nicht nur von SchülerInnen, sondern auch von Eltern und LehrerInnen.

Die anfängliche Befürchtung, dass es zu Überschneidungen in der Beratungstätigkeit zwischen Sozialarbeit und Beratungslehrern kommen könnte, hat sich meiner Ansicht nach nicht bestätigt. Ich sehe viel mehr ein konstruktives und gutes Miteinander. Aus der Zahl der Gespräche und Beratungen ersieht man auch den Bedarf einer solchen Einrichtung. Von den ca. 1000 Schülern hatten bereits über 150 Schüler Kontakt zur Schulsozialarbeit. Schwierigkeiten beziehungsweise Probleme ergeben sich durch die Größe des Schulstandortes (5 Schulen, 3 Standorte). Auf Grund dessen ist ein Teilbereich der Schulsozialarbeit – präventives Arbeiten in den Klassen – bis jetzt ein wenig zu kurz gekommen.

Ich bin überzeugt davon, dass Sozialarbeit an der Schule eine unverzichtbare Hilfestellung für SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen leistet, und ich würde Schulsozialarbeit als fixen Bestandteil im Schulwesen befürworten.“

Michael Perktold
Schulleiter MHS Imst Unterstadt

 

II.)

„Das Projekt „Schulsozialarbeit“ läuft seit Beginn dieses Schuljahres an fünf Schulen in Imst und hat sich bestens bewährt. Die Zusammenarbeit von Schulsozialarbeitern, LehrerInnen und Beratungslehrer klappt im Großen und Ganzen bestens, allerdings muss darauf geachtet werden, dass sich die Tätigkeiten von Beratungslehrer und Schulsozialarbeiter nicht überschneiden bzw. zu einer Doppelgleisigkeit der Betreuung und Beratung führen.

Das Beratungsangebot der Schulsozialarbeiter wird von SchülerInnen, Eltern und auch Lehrern sehr gut angenommen, was von der Statistik bei den Großteamsitzungen auch eindrucksvoll unter Beweis gestellt wird. Die sozialen Gruppenarbeiten bieten in der Prävention zu Themen wie Gewalt, Mobbing, Drogenmissbrauch,… viele Möglichkeiten und wurden in vielen Klassen durchgeführt. Leider können nicht alle Wünsche erfüllt werden, da mit den zur Verfügung stehenden Ressourcen bei weitem nicht das Auslangen gefunden werden kann. Ideal und zukunftsweisend wäre, wenn für jede größere Schule ein Sozialarbeiter angestellt werden könnte. Die beiden Sozialarbeiter Mag. Steixner Christina und Mag. Bechter Philipp leisten eine sehr gute, professionelle Arbeit und ihre fachlichen Beiträge werden auch in den Lehrer- und Klassenkonferenzen sehr geschätzt. Abschließend darf ich festhalten, dass wir sehr an der Weiterführung dieses Projektes interessiert sind und hoffe, dass aus dem Pilotprojekt eine ständige Einrichtung wird bzw. die Schulsozialarbeit fix an unseren Schulen installiert wird.“

Mit freundlichen Grüßen,
Josef Köll, Direktor Sporthauptschule Imst/Unterstadt

 

III.)

Primär ist auffallend, dass die Anfragen und Meldungen durch die Lehrpersonen an die JUWO durch die projektinvolvierten Schulen rückläufig waren, was sekundär ein "leichter Gewinn" für weitere Interventionen darstellt. Jene Fälle die von Seiten der SchulsozialarbeiterInnen an die JUWO herangetragen wurden, waren bestens abgeklärt. In den Vernetzungstreffen mit der Schule konnte sehr konstruktiv an Lösungen herangegangen werden. Die Schülerinnen, Eltern aber auch LehrerInnen nehmen wesentlich früher Hilfe in Anspruch. Der Schritt in die JUWO mit den unterschiedlichsten Erwartungen scheint doch eine wesentliche größere Hürde zu sein. In diesem Sinne ist die SchuSo als effizientes Präventivangebot von Seiten der JUWO und Schule zu sehen.

Jener "Gewalt-Fall" wo sich der Schüler an die Schulsozialarbeiter-Innen gewandt hatte, wäre mit Sicherheit aus meiner langjährigen Erfahrung nicht zu diesem Zeitpunkt bei der JUWO gelandet. So konnte mit dem Jugendlichen und seinen Eltern ein klares Unterstützungssahngebot erarbeitet und ein Schutz für ihn aufgebaut werden. Für die Schule bedeutete die Meldung der SchuSo an die JUWO eine Entlastung. Für uns war es "ein Genuss" mit klaren Aussagen und Informationen durch die SchuSA mit dem Jugendlichen und den Eltern ein Unterstützungs- /Schutzkonstrukt zu erarbeiten. Von Seiten der Eltern gab es beim Konfrontations-gespräch keinerlei Zweifel an den Aussagen des Schülers. So konnten sie ihre Gewalt und Überforderung akzeptieren und waren bereit für weitere Interventionen. Dieser Fall hätte ein klassisches Beispiel für eine Fremdunterbringung werden können. Wenn ich sodann für das Land Tirol die Unterbringungskosten für ein Jahr hochrechne, haben sich die Personalkosten für beide SchulsozialarbeiterInnen zur Gänze für dieses Projektjahr amortisiert.

In weiteren Fällen konnte ich beobachten, dass wir nicht im Sinne eines "Feuerwehrmannes" zu Fallvernetzungsgesprächen gerufen wurden. Die Nähe der SchuSo zu den LehrerInnen ist eine wesentliche Erleichterung. So wurden realistischere Erwartungen an die JUWO herangetragen. Die "Wunderwutzis" und "Sanktionierer bzw. Bestrafer" sind einwenig in den Hintergrund getreten.

Wir erachten die SchuSo als "verlängerten Arm" der JUWO. Der Auftraggeber darf und soll unter keinen Umständen die Schule sein. Im Vernetzungskontext Eltern / Schule / JUWO sind die Unterstützungen wesentlich vielfältiger und effizienter. Die Nähe der SchuSo zur JUWO erlebe ich auch von Seiten der Lehrerschaft positiv. Ihr fachlicher Aspekt wird in keiner Weise in Frage gestellt. Auch in der Vernetzung und Zusammenarbeit mit den BeratungslehrerInnen kann meinerseits keinerlei Konkurrenz und Doppelgleisigkeit festgestellt werden. Die Erweiterung des Unterstützungsangebotes innerhalb und außerhalb der Schule wird von unseren BeratungslehrerInnen gerne angenommen und geschätzt. Durch diese Kooperation kann wesentlich genauer und nachvollziehbarer für die Betroffenen zwischen schulischen und sozialen Problemfeldern differenziert werden. Jene familiären Probleme, die die Schule tangierten, können jetzt durch die SchuSA zu einem wesentlichen niederschwelligeren und früheren Zeitpunkt bearbeitet werden, als wenn die BeratungslehrerInnen und die JUWO involviert werden mussten.

Ich kann bereits zum jetzigen Zeitpunkt sagen, dass sich das Pilotprojekt SchuSo bestens bewährt und bezahlt macht. Eine Erweiterung dieses Projektes ist auf Grund der gesellschaftlichen und strukturellen Entwicklungen unbedingt notwendig, wenn wir nicht "amerikanische und deutsche Verhältnisse" mit massiven Überwachungen und Kontrollen an unseren Schulen haben wollen. Zudem werden auch wir in der JUWO den Anforderungen nicht in dem notwendigen Ausmaß gerecht werden können, wenn wir nicht in sinnvolle Präventionsprojekte investieren. Für mich ist SchuSo unabdingbar. In einigen Jahren muss SchuSo zum Standardangebot einer zeitgemäßen und effizienten Schule und JUWO
gehören.“

Mit besten Grüßen
Erwin Krismer
Bezirkshauptmannschaft Imst
Jugendwohlfahrt

 

 

Fördergeber

Der Kinderschutz Tirol wird gefördert von:

 

Stadt Innsbruck            

 

  

 
                  

familienberatung.gv.at


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Spender und Sponsoren

 

Vielen Dank den privaten SpenderInnen:

 

 

KIWANIS INTERNATIONAL

 

SWAROVSKI

 

Schiessl - Kältegesellschaft mbH

 

Stadt Imst